„Es ist so heiß“, diesen Satz hörte Enver Krivaca, Einrichtungsleitung des AWO-Seniorenzentrums in Feldkirchen-Westerham in 30 Jahren Pflege zum ersten Mal im Jahr 2025 von Bewohner*innen seiner Einrichtung. Steigende Temperaturen können sich nachteilig auf die Gesundheit des Menschen auswirken, vor allem von Älteren und Pflegebedürftigen. 2025 wurden in Deutschland durchschnittlich elf sogenannte Heiße Tage beobachtet, an denen die Temperatur über 30 Grad Celsius stieg.
Wenn Bewohner*innen in der stationären Pflege vor extremer Hitze geschützt werden, dann sind negative gesundheitliche Auswirkungen und eine Verschlechterung des Allgemeinzustands weniger wahrscheinlich. Somit wird – neben dem Wohlbefinden der älteren Menschen – auch einer höheren Pflegelast vorgebeugt.
Denn Hitze wirkt sich auch auf die Leistungsfähigkeit und das Wohlbefinden der Mitarbeiter*innen eines Seniorenzentrums aus. Symptome wie Müdigkeit, Kopfschmerzen und hitzebedingte Krankheitsausfälle können durch einen effektiven Hitzeschutz reduziert werden.
Und Klimaanpassung kann sogar noch breiter gedacht werden: Hitzeschutzmaßnahmen für Mitarbeitende können zu einem guten Arbeitsklima beitragen, was sich wiederum positiv auf Mitarbeiter*innenerhalt und -gewinnung auswirkt.
Unterm Strich: Die positiven Auswirkungen eines effektiven Hitzeschutzes sind vielfältig und tun allen Beteiligten gut.
Klimaanpassung in Feldkirchen-Westerham
In Feldkirchen-Westerham im Südosten von München startete 2025 ein gefördertes Projekt, in dessen Rahmen ein konkreter Plan entwickelt wurde mit priorisierten Klimaanpassungsmaßnahmen. Bereits 2023 hatte der Träger des Seniorenzentrums, der Bezirksverband Oberbayern, einen Antrag für ein solches Klimaanpassungsprojekt gestellt, das aufgrund einer verzögerten Zusage jedoch auf 2025 verschoben werden musste.
Durch die Begrünung von Fassaden- und Dachflächen soll zum Beispiel die Temperatur im Gebäude gesenkt werden. Maßnahmen gegen Trockenheit sowie die Aufrechterhaltung bzw. Verbesserung der biologischen Vielfalt im Garten sollen schützen vor den Auswirkungen von Starkregen.
Was sich in ein paar Zeilen problemlos niederschreiben lässt, ist im Alltag eines Seniorenzentrums das Ergebnis eines mehrmonatigen Prozesses, in den Vertreter*innen der Einrichtungsverwaltung, die Bewohnersprecherin des Hauses und weitere Vertreter*innen aus der Region integriert waren. Ein Klimaexperte beriet die Einrichtung beim Vorgehen und bei der Planung der Umsetzung der Maßnahmen.
Hitzeschutz in den Pflegealltag integrieren
Die zunehmende Belastung durch Hitze trifft das AWO-Seniorenzentrum in Feldkirchen-Westerham wie viele Pflegeeinrichtungen in einer angespannten Situation, sowohl was die Arbeitslast angeht als auch die finanziellen Ressourcen. Denn die Entwicklung und Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen kosten zunächst Zeit und Geld – in der Pflege rare Güter.
Der Pflegealltag ist anspruchsvoll und durchgeplant. Da lohnt es sich, die Klimaanpassung als Projekt fest zu verankern, damit sie nicht im Pflegealltag untergeht.
Im Rahmen des Projekts in Feldkirchen-Westerham wurden rund 20 Maßnahmen partizipativ erdacht, von denen die Top Ten in den Abschlussbericht kamen und umgesetzt werden sollen, darunter ein außenliegendes Sonnenschutzsystem, die Umrüstung des Dunstabzugssystems in der Küche oder die Entwicklung eines „wilden Gartens“. Aktiv losgehen mit der Umsetzung soll es 2027, nachdem die Maßnahmen in der Budgetplanung des Hauses integriert sind.
Tipps für das Wohlbefinden bei Hitze
Bereits 2023 bis 2025 hat sich das Projekt Higela (=Hitzeresiliente und gesundheitsfördernde Lebens- und Arbeitsbedingungen in der stationären Pflege) mit dem Thema Pflege und Hitze auseinandergesetzt. Auch daran war der Bezirksverband Oberbayern beteiligt und stellte die regionalen Ansprechpartner*innen für Bayern. Aus Oberbayern waren die AWO-Seniorenzentren in Benediktbeuern, Burghausen, Egenhofen und Sauerlach in das Projekt eingebunden und lieferten wichtige Erkenntnisse und Umsetzungsbeispiele aus der Praxis.
Kooperation mit der LMU München
Das Projekt wurde von der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG) und dem AWO Bundesverband geleitet und vom BKK Dachverband gefördert. Es endete im November 2025 mit einer Abschlusspräsentation des Instituts für Soziologie der Ludwigs-Maximilians- Universität (LMU) München, das das Projekt begleitete. Entstanden sind mehrere Materialien mit Infos und Tipps für ältere Menschen, Pflegebedürftige, Mitarbeitende in der Pflege und pflegende Angehörige, wie sie sich vor Hitze schützen können (siehe Kasten).
Seit 2024 haben alle stationären Pflegeeinrichtungen des Bezirksverbands ein einrichtungseigenes Hitzeschutzkonzept, das an die Warnstufen des Deutschen Wetterdienstes gekoppelt ist. 2025 wurden entsprechende Konzepte für die Ambulanten Dienste ergänzt.
Schutz für alle Bereiche der Sozialen Arbeit
Die vielfältigen Ansatzpunkte zeigen, wie komplex die Thematik von Klima- und Umweltschutz, Klimaanpassung und Schutz vor Starkregen sowie kurz- und langfristiger Maßnahmen zum Wohlbefinden bei Hitze sind.
Fest steht, dass sich das Wetter verändert und Hitzeperioden immer intensiver werden. Fest steht auch, dass Hitze das Wohlbefinden von Menschen negativ beeinflusst und für ältere Menschen gesundheits- bis lebensgefährdend sein kann.
Welche Konsequenzen zieht die Pflege aus diesen Erkenntnissen? Kurzfristig über das Ergreifen von Verhaltensmaßnahmen wie z.B. nächtlichem Lüften oder anderen schnellen Maßnahmen der Kühlung. Langfristig mit baulichen und anderen Maßnahmen. Und wie werden diese Maßnahmen in den Pflegealltag integriert?
Integriertes Klimaschutzmanagement
Der Bezirksverband Oberbayern hat sich seit Längerem auf den Weg gemacht zu diesem Thema und leitet aus den bisherigen Maßnahmen und Erkenntnissen eine Strategie ab, die Klima-, Umwelt- und Hitzeschutzmaßnahmen für alle Bereiche der Sozialen Arbeit ergreift.
Konkret gehört dazu seit März 2026 die Einführung eines integrierten Klimaschutzmanagements, das vom Bundesministerium für Umwelt gefördert wird, um dazu beizutragen, die Klimaerwärmung zu verlangsamen. Denn die klimatischen Veränderungen betreffen nicht nur die Zukunft der Pflege, sondern auch die anderen Einrichtungen des Bezirksverbands wie Kindertageseinrichtungen, Beratungsstellen und Sozialtherapeutischen Einrichtungen.
Linda Quadflieg
• Engmaschige Betreuung von Pflegebedürftigen an heißen Tagen
• Kühlung der Haut, z.B. mit Kühltüchern, Fußbad, Wassersprays
• Kühlung der Räume, z.B. mit Ventilatoren, jedoch nur indirekt zu Personen platziert
• Erfrischungsangebote: kühlende Getränke, frisches Obst und Gemüse
• Sommerspeiseplan einführen
• Aktivitäten möglich nur vor 11 Uhr bzw. nach 18 Uhr
• (Schlaf-)Räume tagsüber verschatten, nachts lüften
• Medikamente entsprechend dem Beipackzettel lagern und Einnahme ggf. ärztlich abklären
Weitere Infos unter: Materialsammlung zu Hitzeschutz und zum Projekt | Higela
Nutzen Sie das Formular für allgemeine Fragen und Anliegen an unsere Hauptverwaltung. Einrichtungsspezifische Anfragen (zu freien Plätzen o.Ä.) bitten wir Sie über die Kontakt-E-Mail-Adressen des jeweiligen Hauses zu stellen.